Die Schlacht von Spicheren

6. August 1870

Ab Beginn des Krieges:
Sofort nach dem Eintreten des Kriegszustandes zwischen beiden Nationen wurden die franz. Truppen mit der Hauptmacht Thionville, Metz-Nancy, das 5. Korps bei Saargemünd, das 2. Korps bei St. Avold auf Forbach vorgeschoben. Auf deutscher (preußischer) Seite lag demgegenüber nur die 16. Division unter Generalleutnant von Barnekow mit den Regimentern 29, 69, 70, dem Hohenzollerischen Füsilier Regiment Nr. 40, 7. Ulanen- und 9. Husaren Regiment. Die Division war zwischen Saarbrücken, Merzig, Völklingen, Saarlouis versteut.
Um die eigentliche Stärke oder auch Schwäche der Division zu verstecken wurden zahlreiche Aufklärungsmissionen  auf französisches Gebiet unternommen. Auch die französische Seite war nicht untätig und führte ebenso eigene Stoßtrupps durch.
19. Juli 1870 - Bei der Goldenen Bremm, früher Wirtshaus heute die letzte Tankstelle auf deutscher Seite vor der franz. Grenze.
                       überschritten um 05:30 Chasseurs d'Afrique in großer Anzahl die Grenze und holten 2 Zollwächter aus den Betten und führten diese
                       ab. Von dieser Abteilung wurde ein Zouave eingebracht, der in einem Wirtshaus zuviel Wein getrunken hatte, dadurch einschlief und
                       den Abmarsch seiner Kameraden verpasste.
21. Juli 1870 - Eine Parouille des Hohenzollernregiments Nr. 40 trifft auf franz. Abteilungen. Ein Unteroffizier erschießt einen franz. Chasseur vom
                       Pferd und ein preußischer Füsilier wird von Schüssen aus dem Wald getrofffen.
23/24. Juli     - Die Franzosen versuchen die Brücke zwischen Wehrden und Völklingen zu besetzen.
24. Juli 1870 - Bei Kämpfen um Gersweiler und Schrecklingen müssen sich die Franzosen (70. Regiment) unter Verlust von 10 Mann zurückziehen
                       nachdem sie die Zollwächter getötet und die Zollkasse mitgenommen hatten. 
30. Juli 1870 - Die Franzosen versuchen vergeblich die Brücke von Rheinheim bei Völklingen zu nehmen.

02. August 1870
Saarbrücken wird französisch.
Der französische General Frossard wird von Napoleon III beauftragt Saarbrücken zu nehmen um in dem beginnenden Krieg eine erste positive Meldung verzeichnen zu können. Dem General wird sogar der kaiserliche Prinz mit Namen LULU zugeteilt, der unter den Augen der Truppe eine Mitrailleuse auf die deutsche Seite richtet und abfeuert.
Frossard marschiert mit Teilen seines 2. franz. Korps, verstärkt durch Teile des 3. franz Korps auf Saarbrücken, das von keiner großen Streitmacht gehalten wird vor. Die preußischen Truppen unter Oberstleutnant von Pestel werden unter Artilleriefeuer genommen. Von Pestel zieht sich daraufhin aus der Stadt zurück. Deutsche und französische Quellen sprechen von einer unterschiedlichen Dauer der Schlacht, die zwischen 3 und 1 Stunde liegen.

Ausgangslage:
Nach der Einnahme von Saarbrücken geschah jedoch das Unerwartete und zwar in der Form, daß keine weitere Vorstöße mehr unternommen wurden, und der Armee befohlen wurde die Frontlinie zu sichern und zu verkürzen. Dies lag wohl an der Tatsache, daß die französischen Armeen erst ihre Sollstärke erreichen sollten und der Nachschub nicht mit der Aufstellung der Armeen auf der Ostseite des Landes nachkam.

Französische Seite
Auf dem linke Flügel stand die 1. Division Berget, mit Front gegen Saarbrücken.
Auf dem rechten Flügel stand die 3. Division Laveaucoupet vor Stieringen und auf den Höhen vor Spicheren.
Reserve war die 2. Division Bataille bei Eßling bis Alsting
Am Abend des 5. August hielten die Avantgarden noch den Exerzierplatz von Saarbrücken besetzt.
Auf den Hügeln, die an sich schon einen natürlichen Verteidigungsgürtel bilden wurden zusätzlich noch Gräben, Drahtverhaue und Schanzen angelegt.
Auf der nördlichen Seite der Saar liegt St. Johann, daß von den Preußen durch Avantgarden beobachtet und teils gesichert wurde.
Der Spicherer Berg war die höchstgelegene Stellung und damit die ideale Position für die franz. Artillerie. Von diesem, damals noch nicht so bewaldeten Berg konnte man die ganze Gegend übersehen. Ein Angriff auf die gesicherte Höhe war einem Selbstmordkommando gleichzusetzen.
Hinter den vorderen Linien war die bemerkenswerte Reserve des Marschalls Bazaine, das gesamte 3. Korps versammelt. Das 3. Korps lehnte sich mit dem linken Flügel an die 4. Division Decan an und der rechte Flügel die Division Montaudon deckte das Gelände bis Saargemünd, wo diese mit der Brigade Lapasset des 5. Korps vereint wurde.
Das Zentrum bei Püttlingen hielt General Castagny mit der 2. Division während die 3. Division (Metmann) von Homburg bis Benningen in Staffeln (en énchelons) aufgestellt war.
In der Nacht vom 5. auf den 6. August 1870 wurden die franz. Truppen aus Saarbrücken abgezogen.

Deutsche Seite
7. Korps unter Gen. Zastrow linker Flügel
8. Korps unter Gen. Göben rechter Flügel bis an die Saar
- 13. Division auf dem Marsch auf Püttlingen begriffen.
- 14. Division unter Gen. Kameke auf dem Marsch nach Güchenbach
- 16. Division unter Gen. Barnekow stand bei Fischbach
- 15. Division unter Gen. Weltzien stand bei Holz

Die 2. Armee sollte in Marsch setzen und die die Vorhut bis Saarbrücken schieben.
Viele Regimenter rückten im Schutz des Köllerthaler Waldes unentdeckt Richtung Grenze vor.

6. August 1870
Im frühen Morgen des 6. August reiten die Ulanen und Dragoner Rheinbabens bis zu den feindlichen Stellungen vor und melden der 14. Division : "Der Feind macht eine Rückzugsbewegung, oberhalb Forbach stehen große Eisenbahnzüge mit leeren Wagen, offenbar will Frossard seine Truppen zurückverlegen..." General von Rheinbaben eilt mit seiner 5. Kavallerie Division vorwärts. Er erreicht gegen 11:00 den Exerzierplatz in Saarbrücken, wo sie sofort durch französische Granaten empfangen werden. Nach kurzer Rast sind dann auch schon die Trommeln der 14. Division unter Gen. Kameke zu hören. Die Infanterie rückt in Saarbrücken ein und die Divisionsartillerie protzt auf dem Exerzeirplatz ab um den Franzosen einige Granaten hinterher zu jagen. 
Durch dieses Verhalten provoziert donnern nun alle franz. Kanonen auf den Höhen Richtung Saarbrücken.
Durch dieses "Geschieße" entwickelt sich, ähnlich Wörth die kommende Schlacht.
Zuerst greift die Infanterie der 14. Division zu den Waffen und beschießt die französische Seite, dann kommen die 27. Brigade über die Stadtbrücke und die 28. über die Eisenbahnbrücke in die Stadt und beteiligen sich. Ordonnanzen verständigen General von Zastrow in Dolsburg über die Kämpfe. Obwohl Gen. Zastrow erst für den 07. August 1870 befehle zum Vormarsch hatte, beginnt er mit dem Vormarsch.

Der französische General Frossard befindet sich gerade in Forbach als er die Meldung über die anrückenden Preußen erhält.
Daraufhin schwingt er sich in den Sattel und eilt zu seinen Truppen, während die preußische 14. Division bereits auf der Straße nach Forbach durch einen französischen Kugelhagel nach vorne geht.
Vom Kanonendonner angezogen ist Generalmajor von Döring einer der Ersten, die ihre Truppen Richtung der französischen Stellungen marschieren Lässt. Er eilt mit 2 Bataillonen und 1 Escadron der 9. Brigade voraus, während der Rest folgen soll. Generalleutnant von Stülpnagel der die Division von Dörings befehligt genehmigt dieses Vorgehen und sendet eine Nachricht an den Korpskommandeur Generalleutnant von Alvensleben, der daraufhin erlässt, daß alle Truppen des 3. Korps auf Saarbrücken vorgehen sollen.
General Kameke stößt indessen weiter auf die Linke Flanke der Franzosen vor. Die Avant Garde der Franzosen wird bei Stiering zurückgeworfen, während sich die Division Bérge stand hält. Von der Höhen kommen immer neue franz. Soldaten. Die 27. Brigade unter dem Kommando von General Francois versucht die Höhe westlich von Stiering zu nehmen. Als 12 franz. Geschütze die Verteidigung unterstützen muß das Vorgehen abgebrochen werden. 
15:00 Uhr
Gegen 15:00 rückt dann der Rest der 14. Division an und greift in das Geschen ein. Es sind: 2 Batterien, die 40er Füsiliere und 3 Schwadronen des 9. Husarenregimentes.
Währenddessen stehen auf dem Winterberg die Generale von Stülpnagel und von Döring mit Stäben und und weisen Aufstellungspunkte zu.
Die französischen Divisionen Bérge und Laveaucoupet weisen jedoch tapfer alle Angriffe zurück. Als General von Göbe auf dem Schlachtfeld erscheint und das Kommando übernimmt, geht die ganze Linie zum Angriff über. 4 Bataillone der 5. Division unter General von Döring, mit der 27. Brigade, den 39er und 74er sowie den 40er Füsilieren greifen nochmals an. Sie durchschreiten das Gelände, das vor den Spicherer Höhen liegt und werden von der franz. Artillerie pausenlos beschossen. Obwohl von der Goldenen Bremm her 12 Geschütze Unterstützung leisten wird der franz. Widerstand nicht geringer. Die 40er und 48er erklimmen die fast baumlosen Höhen und sind dem weittragenden Feuer der französischen Gewehre ausgeliefert (Das Dreyse Gewehr hatte eine kürzere Schussweite als das Chassepot-Gewehr).
Unter mörderischem Feuer stürmen die Preußen vorwärts bis General von Francois von 5 Kugeln getroffen an der Spitze seiner Männer fällt.

Von dem Verlust des Generals angespornt versuchen die Soldaten von General. von Francois weiter zu kommen, werden aber sofort durch Feuer aus einem Wäldchen gestoppt. Das 12. Regiment ersteigt in diesem Moment die Höhen und schiebt sich zwischen 40. Regiment und die von Döringsche Division. Der mit seinem Regiment aus Neunkirchen kommende Oberst von Reuther führt sein Regiment an und fällt in kürzester Zeit. Über die Leichen hinweg stürmen die restlichen Truppen die Höhen weiter hinauf (Opfer ca. 32 Offiziere und 800 Mann).
Die 28. Infanterie Brigade erkämpft sich in der Zeit bei Stieringen den Weg gegen die Soldaten der franz. Division Bergé, die sogar angesichts der Massen an Preußen zum Bajonettangriff übergeht. 

16:00 Uhr
Von Zastrow trifft auf dem Galgenberg ein und von Göben übergibt dem Kommandierenden des 7. AK den Oberbefehl.
6 Batterien feuern von der Folster Höhe und dem Galgenberg. 

17:00 Uhr
Von Alvensleben erscheint mit frischen Truppen vom 3. Korps und und attackiert den rechten Flügel der Franzosen und den Wald von Spicheren, indem der Kampf immer noch erbittert und blutig tobt. Die 3. Brandenburger Jäger stoßen auf die französischen Tirailleurs des 24. franz. Linienregiments. Gedeckt durch das Feuer der Artillerie dringen die Brandenburger durch den Wald von St. Arnual bis zum Spicherer Plateau vor, wo sie wegen starken Feuers halt machen müssen. 3 mal versuchen die französischen Jäger vergeblich das Plateau zurückzuerobern. Das Gefecht steht und sogar der Kommandeur der 3. Lübbener Jäger muß schwer verwundet aus dem Feuer getragen werden.
Um weiter zu kommen musste nun Artillerie auf die Berge gebracht werden - General von Bülow hatte dies erklärt! Major von Lyncker schaffte 2 Batterien der 5. Division unter Feindbeschuss hinauf. Pferde wurden getötet und Mannschaften mussten die schwere Arbeit übernehmen. Die Braunschweiger Husaren versuche ebenfalls hinaufzukommen, müssen allerdings wegen des Geländes aufgeben. 
Nach unsäglichen Mühen werden die preußischen Geschütze aufgestellt und das Feuer auf die französischen Batterien wird eröffnet, die sich ihrerseits dazu gezwungen sehen nun das Feuer von der Infanterie auf die deutschen Kanonen zu verlegen.
Die preußische Infanterie nutzt die Feuerverlagerung und stürmt mit aufgepflanztem Bajonett auf die französischen Gräben ein.
Jetzt fängt das Blatt an sich zu wenden und die Reserven der Franzosen müssen in den Kampf eingreifen. Mit dem Vorteil das das Chassepot-Gewehr bietet können sie bereits von weitem das Feuer auf die Preußen eröffnen, die jetzt jedoch ebenso dauernd Verstärkungen aus den Tälern herauf auf das Plateau bekommen. Das Füsilierbataillion Nr. 12, das 3. Jägerbataillon, das Leibregiment Nr. 8, das Infanterieregiment Nr. 52 setzen zum letzten Stoß an. Unterstützt von 2 Batterien des 5.Division gehen sie vor, die wackeren Franzosen weichen aus ihren Stellungen und ziehen sich auf Spichern und Eßling zurück.
Frossard lässt nun zum Rückzug blasen.
27 preußische Bataillone habe mit 52 französischen gerungen, die sich auf dem Rückzug befinden und dabei hervorragend von ihrer Artillerie gedeckt werden. 

Währen des Kampfes um den Spichererberg war die nach Püttlingen marschierte 13. Division (Glümer) mit der Avant Garde über Püttlingen hinausmarschiert und stellte in Völklingen Vorposten auf. Die Division rastete um die Mittagszeit bei Ludweiler als sie Nachricht über den Stand des Gefechts bei Saarbrücken erhielt. Um 18:00 rückte die Avantgarde unter von der Goltz, mit einer Batterie mit 2 Bataillonen des 55. Regimentes über Rosseln nach Forbach vor (West-Ost Richtung). Hier entspann sich dann der Kampf um den Kaninchenberg, der wie der Spichererberg mit Gräben und Verhauen überzogen war. 
Kaum aus dem Wald herausgebrochen, greifen die 55er schon mit dem Bajonett an und die ersten franz. Schützengräben werden erobert. Die französischen Soldaten ziehen sich Richtung Forbach zurück von wo aus Reserven der 3. franz Division Metmann zur Hilfe eilen. Unter dem Feuer der preußischen Geschütze stoppt der französische Vormarsch und das Ringen dauert bis in die Nacht hinein.

Zurück zu den Spicherer Höhen
Die Kirche von Spicheren lag voll Verwundeter und Sterbender - Freund und Feind durcheinander. Lange Züge mit Verwundeten wanderten Richtung Saarbrücken von wo aus die Zivilbevölkerung den Haufen Verwundeter auf dem Schlachtfeld zur Hilfe eilte.

Auf französischer Seite zog sich General Frossard unter dem Schutz der Nacht nach Saargemünd zurück, wobei es nicht wie bei Mac Mahon in Wörth zu fluchtähnlichen Tumulten kam. Frossards Männer hatten sich gemäß ihres Eides tapfer für Frankreich geschlagen. Letztendlich bleibt nur noch die Frage warum Frossard außer einer Brigade Dragoner, die am Nachmittag eintraf keine weitere Verstärkung von Marschall Bazaine anforderte muß an anderer Stelle geklärt werden. 

Resümee
Auch wenn vielerorts die Schlacht um den Spicherer Berg als eher kleine Episode bezeichnet wird, ist jedoch auf beiden Seiten die moralische Wirkung auf die Truppen nicht zu übersehen. Sogar General von Steinmetz der am Nachmittag des 6. Augustes auf dem Schlachtfeld eintraf stoppte, wohl aus diesen Überlegungen heraus das Ringen nicht. 

Verluste:
Preußen;         223 Offiziere und 4648 Mann
Frankreich:     ca. 249 Offiziere, 3829 Unteroffiziere und Soldaten, sowie Unmengen an Material.

 

Galerie

Grab von Gen. Bruno von Francois

Denkmal der 40er ca. 1915

Die 77er erstürmen die Goldene Bremm

Ankunft der Brandenburger auf dem Roten Berg
Erstürmung des roten Berges
Erstürmung des roten Berges


  
Auf dem von den Bürgern von Saarbrücken und Spicheren angelegten Rundgang (08.05.1998) kann man einen Eindruck über die Geschichte von Spicheren erhalten. Hier sind die Stationen der Kriege 1870, 1940 und 1945 erklärt.


Auf den Spicherer Höhen findet man auch deutsche Bunker des Westwalles, die man ebenfalls Auf dem Rundweg entdecken kann.


Monument der 70. US Infanterie Division (1945)


Der Chaffee Panzer wurde von US Veteranen  der 70. US Armee an die Gemeinde Spicheren zur Erinnerung an die Kämpfe von 1945 übergeben.




Bevor man zum französischen Großkreuz kommt findet man einen Friedhof de Volksbundes. Heute ruhen hier 120 Gefallene des Zweiten Weltkrieges 



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