4. August 1870
Schlacht von Weissenburg

Militärgeschichtliche Einfügung:
Weißenburger Linien, ehemals eine Kette zusammenhängender Verschanzungen im Kreis Weißenburg des Bezirks Unterelsaß, 1706 von dem Marschall Villars angelegt, um Elsaß gegen die Streifereien der damals kaiserlichen Besatzung von Landau zu decken. Sie zogen sich längs der Lauter hin und bestanden aus einer Reihe einander bestreichender, teils geschlossener, teils offener Schanzen. Nach der Einnahme von Mainz durch die Preußen und Sachsen eroberte der österreichische General Wurmser in der Nacht des 13. Okt. 1793 die Linien. Am 16. Dez. schlug Pichegru die Österreicher und Preußen bei Weißenburg, eroberte die Linien wieder und nötigte dadurch die Verbündeten zum Rückzug über den Rhein.
(Quelle: http://www.retrobibliothek.de/retrobib/seite.html?id=116623)

1870
Nachdem die oben genannten Befestigungen nicht mehr existent waren, blieben nur noch die beiden Stadttore (Hagenauer- und Landauer Tor) und die Stadtmauer, die heute noch zum Teil zu sehen ist.
Da der französische General Douay ziemlich isoliert stand wurde von deutscher Seite beschossen die III. Armee auf Weißenburg zu entsenden und die gesamte Division gefangen zu nehmen, dann weiter auf die Truppen Mac Mahons zu treffen und diese ebenso einzuschließen.

Mac Mahons Truppen:
 1) Brigade Pelletier de Montmarie (50. + 74. Infanterie Regiment, 16. Jägerbattaillon)
 2) Brigade Pelle (78. Infanterie Regiment, 1. Regiment Turcos)
 3) 3 Batterien Geschütze
 4) 1 Batterie Mitrailleusen
 5) Während der Schlacht folgten noch aus Soulz: 3. Husaren- und 11. Chasseur Regiment

Die III. Armee - Kronprinz Friedrich Wilhelm

Stand in der Nacht vom 3. auf den 4. August 1870 noch in der Linie Germersheim-Landau
Als Avantgarde dienste die bayerische Division Bothmer bei Bad Bergzabern.
Der Vormarsch sollte am 4. August auf 4 Straßen bis an die Lauter angetreten werden und der "Feind" bei Auftreffen zurückgeworfen werden.
4. August 1870 - 04:00/06:00
- Die 4. b. Division Bothmer hatte Weißenburg zu nehmen. Seine rechte Flanke sollte ein Detachement über Böllenborn und
  Bobenthal sichern.
- Der Rest des II. bayerischen Korps, die Division Walther hatte bereits um 04:00 die Biwaks verlassen und sollt unter
  Umgehung Landaus über Impflingen, BadBergzabern und Ober-Otterbach marschieren.

- Die Kavallerie Division erhielt Befehl um 06:00 südlich Mörlheim zu sammeln und über Insheim, Rohrbach, Biligheim,
  Barbelroth und Kapellen bis Otterbach, westl. Ober-Otterbach zu marschieren.

- Das 5. Korps unter General von Kirchbach begann ab 04:00 aus dem Biwak bei Billigheim über Barbelroth,   Nieder-Otterbach, Groß-Steinfeld auf Kapsweyer zu marschieren. Es sollte bei St. Remigius die Lauter überschreiten.




Gen. v. Kirchbach

- Das 11. Korps unter General von Bose brach um 04:00 bei Rohrbach auf und ging über Steinweiler, Winden, Schaidt, durch den Bienwald über die Bienwaldhütte vor. Eine Avantgarde hatte die Lauter zu überqueren und die Höhen zu sichern.

 


Gen. v. Bose

- Das 6. Korps Werder hatte die Aufgabe auf der großen Straße gegen Lauterburg vorzugehen und den Ort zu besetzen.

- Das Korps von der Tann hatte um 04:00 die Biwaks zu verlassen und über Rülzheim nach Langenkandel zu marschieren
  um westlich ein neues Biwak zu beziehen.
- Das Hauptquartier sollte nach Nieder Otterbach ziehen.


08:00       10. Jägerbataillon (Spitze der Division) erreicht das Dorf Schweigen.
Ca. 08:20  Der Kronprinz + Stab treffen auf den Höhen südlich von Schweigen ein und betrachten das französische Feldlager
                auf dem gegenüberliegenden Geisberg

Das bayerische 2. Korps übernahm die Westseite von Weissenburg, während die Preußen mit dem 5. Korps die Ostseite übernahmen.

In der Nacht hatte es stark geregnet, so daß der durch Weissenburg führende Bach (Lauter) stark angeschwollen war und sich die angreifenden Truppen äußerst schlechten Bedingungen gegenübersahen.

Die 4. Bayerische Division unter Graf Bothmer stieß zuerst gegen 08:00 auf französische Truppen (2/74) nachdem die Stadt bereits von Geschützen (Avantgarde-Batterien), die auf den Schweigener Höhen standen unter Feuer genommen war und einige Häuser brannten.

Der Bahnhof lag und liegt als Kopfbahnhof etwas südlich der alten Stadtbefestigung.

Südlich des Bahnhofes liegt der Geißberg etwa 70 Meter höher als die Stadt.
Auf diesem befand sich ein Schloß, welches die ganze Gegend überschaute.
Zur damaligen Zeit wurde auch Hopfen angebaut, was der französischen 1. Division (I. Korps mit ca. 6.500 Mann und 18 Geschützen) weitere vortreffliche Verteidigungsstellungen bot. Die Stadt wurde von einem Bataillon und sog. Turkos (Algerische Soldaten - Regiment de Tirailleurs Algeriens unter Colonel de Morandry) in der Gegend des Bahnhofes aufgestellt verteidigt. Detachements waren bis Altenstadt verteilt.
Die französischen Truppen um Weißenburg standen unter dem Befehl des Generals Abel Douay. Sie waren teil der „Elsassarmee“, die den rechten Flügel der franz. Armee darstellte und reichte zu diesem Zeitpunkt von Bitsch bis Hagenau (5.Corps von Failly, Teile des 1.Corps von Mac Mahon) bis Straßbourg (heute Strasbourg - Div. Lartique 1.Corps). Das 7.Corps des General Felix Douay lagerte in zweiter Reihe bei Belfort. 
Carl Abel Douays Abteilungen,  des 1. Corps war mit den Brigaden von Pelletier de Montmarie und der Brigade Pellé bei Weißenburg / Soultz-sous-Foret positioniert.
General Abel Douay hatte bereits in Algier, der Krim und in Italien sein Handwerk erlernt. Er unterstand seit dem 05. August dem Befehl von Marschall Mac Mahon, der damals 62 Jahre alt war und zu den bedeutendsten Generälen Frankreichs zählte. 
Mac Mahon verfügte über das I. Korps, eine Division des VII. Korps, zwei Divisionen des V. Korps unter Failly westlich Bitsch.


Kaiser Wilhelm I

Allen Büchern ist zu entnehmen, daß die Franzosen völlig von der Ankunft der deutschen Truppen überrascht waren. 
In manchen ist sogar zu lesen, daß die Franzosen beim Morgenkaffe gefangen genommen wurden.
Ein Bataillon der 74.R.I. und 1. Regiment Algerische Tirailleure (Turcos) hasten nach Weißenburg und Altenstadt, um ihre Stellungen einzunehmen. 
Der Truppenkörper blieb auf dem Geißberg und formierte sich in und um das Schloss und dem nahe gelegenen Gehöft Schafbusch (Heute Baumschule/Gärtnerei)
An der Stadtmauer versuchte ein Zug der 4. Kompanie der 10. Jäger das Bitscher Tor einzunehmen, wurde allerdings zurückgeschlagen.

Als gegen 11:00 Uhr in der östlichen Flanke das 5. und 11. Armeekorps eintrafen wurde der Angriff auf die Stadt wieder energisch aufgenommen und das Landauer Tor konnte genommen werden. Zwei preußische Geschütze zerschießen die Ketten an den Torpfeilerern und 2 bayerische Geschütze beschießen die nächste Umgebung des Tores. Donnernd fällt die Zugbrücke herunter und Entschlossene Jäger des 10. Jägerbatl. und Infanteristen der 11. Komp./ 5. IR sowie Abteilungen des 11. Regiments besetzen den Wall beiderseits des Tores.
Die verbliebenen Reste der französischen Besatzung versucht durch das Bitscher Tor zu entkommen wird allerdings durch eine Kompanie des 11. Jägerbataillons unter Feuer genommen und streckt die Waffen. 
Gegen 13:30 ergab sich die tapfere französische Garnison und 18 Offiziere sowie 340 Überlebende gingen in Gefangenschaft.
Die Görlitzer 5. Jägerbataillon unter Major Graf Waldersee nahmen Altenstadt. 
Als diese dann gegen Weißenburg eindrehten wurden sie am Stadtrand von Altenstadt durch einen Feuerüberfall der Afrikaner empfangen. Das Artilleriefeuer vom Geisberg machte ein Vorwärtskommen ebenfalls schwer. Es gab Verluste auf beiden Seiten, dabei auch Major Graf Waldersee. 
Das 5. Jäger Btl. bekam jetzt Unterstützung von den 58ern 
Nach Weißenburg gingen dann die 58er in der Mitte und wurden vom 5. Jäger Btl. flankiert.

Im Schwunge des Angriffes wurde dann um die Gegend des Bahnhofes stark gekämpft. Die angreifenden 58er, die durch die 5. Jäger und die 47er unterstützt wurden, konnten diesen Teil der Stadt dann auch gegen 11:00 Uhr einnehmen. Die Turkos wurden hier von Einheiten des 74 R.I. unterstützt. Die Kämpfe setzten sich bis in die Keller der Häuser der Vorstadt fort. Die erste Kanone, die in diesem Kampf erobert wurde von der 1. Kompanie der 5. Jäger, südwestlich auf den Höhen vom Bahnhof eingenommen.
Die 58er Füsiliere (Leichte Fußsoldaten), unterstützt von der rechten Flanke der bayerischen Division Bothmer nahm das das Hagenauer Tor ein. Da die Division Douay als besonders mutige Division bekannt war mußten viele Häuser in zähem Ringen genommen werden.

Die schwerste Aufgabe, die Einnahme des Geißberges stand nun vor den Preußisch-Bayerischen Truppen. Der Geißberg wurde von dem 50. franz. Infanterie Regiment besetzt und war nicht nur durch seine dominierende Stellung gefährlich, vielmehr standen neben Geschützen auch Mitrailleusen (Weiterentwicklung des Gatling Gewehres – Vorläufer der heutigen MG zur Verfügung). Allerdings war General Douay schon am Vormittag gefallen.

Den wackeren französischen Verteidigern diente das Schlösschen als gute Verteidigungsstellung, von wo aus sie die Abhänge des Hügels vortrefflich bestreichen konnten.

Den Angriff sollte in der Mitte das Königs-Grenadier-Regiment mit seinem 1. und 2.- und in der Mitte dem Füsilierbataillon unter Major von Kaisenberg führen. 
Von jedem Bataillon wurden 2 Kompanien als Plänklerkette vorgezogen und die beiden anderen Kompanien folgten als Halbbataillon.

Den vordringenden Deutschen wand sich als erstes ein Bajonettangriff der 74. franz. Linien Regiments vergebens entgegen. Das Königs Grenadier Regiment stoppte erst auf halber Höhe des Hügels, als starkes Abwehrfeuer aus dem Schlösschen das Weiterkommen unmöglich machte.
Der Major v. Kaisenberg führte die 9. und 12 Kompanie einen Hohlweg hinauf und fällt mit seinem Leutnant Siemon von Kugeln getroffen. Fast alle Offiziere erleiden dieses Schicksal. Rechts neben dem Königs Grenadier Regiment erstiegen die 5. Jäger links die zwei Bataillone vom 58. und 47. Regiment die Höhe. Die 41. Brigade befindet sich bereits im Rücken der französischen Stellung und nehmen nach kurzem, aber heftigen Kampf das Gehöft Schafbusch. Hierbei feuert die 1. Kompanie der 5. Jäger so wirksam auf die auf eine französische Batterie, daß diese sich unter Verlust eines Geschützes sich zurückzieht. Die wiederholten Versuchn das Geschütz zurückzuerobern werden erfolgreich zurückgeschlagen. 

Grenadiere der 7er und 87er gelangen als Erste in den Schlosshof müssen sich aber schnell wieder zurückziehen. Erst als die Artillerie auf der Höhe mit den 3 Pappeln das Feuer auf das Schlösschen eröffnet wird eine weiße Fahne um ca. 13:15 aus dem Anwesen gestreckt.
Die 300 Mann starke Besatzung hatte 74 Tote und Verwundete zu beklagen. 
Nachdem der letzte französische Vorstoß um 13:30 zurückgewiesen wurde verfolgen die Kavallerie Regimenter der 9. und 10. Division die fliehenden franz. Truppen in Richtung Soultz.

 Verluste auf deutscher Seite:

Offiziere: 91 davon 35 tot.

Mannschaften: 1460 Mann (tot ca. 700 Rest verwundet)

Davon allein:

7. Regiment 23 Offiziere, 329 Mann

Das 5.Korps hatte allein 8 Majore verloren. General Kirchbach erhielt einen Streifschuss, da er sich in den vordersten Linien aufgehalten hatte – was für die damalige Zeit eher ungewöhnlich war.

Verluste auf französischer Seite:

General Douay wurde ehrenvoll bestattet.

Frankreich hatte insgesamt 1000 Mann verloren (Tot, Verletzt, Gefangen)
Der Rest der Division Douay zog sich auf Wörth zurück und wurde am Folgetag aufgespürt.
Der Generalstabsoffizier Gen. Douays und Oberst des 50 franz. Linienregiments gerät in Gefangenschaft.

Einheiten Übersicht
Franzosen                       Deutsche
1 Division                        V. Korps 84 Kanonen
11 Btl.                   
         22 Btl.
12 Kanonen                     II. Bayerisches Korps 24 Kanonen
6 Mitrailleusen                 XI. Korps 36 Kanonen


Auswirkungen:
Im französischen Hauptquartier verkannte man die Lage, die durch den Verlust der Schlacht bei Weißenburg entstanden war nicht. Der rechte französische Flügel war eingedrückt und es mußte eine weitere Zurückdrängung vermieden werden.
Napoleon war vor die Frage gestellt den rechten Flügel aufzugeben und die Einheiten auf Metz zurückzuziehen oder die Front im Elsass zu halten.
Mac Mahon erkannte die Notwendigkeit den deutschen Vormarsch aufzuhalten. An der Sauer wollte er den deutschen Vormarsch aufhalten, über die Vogesen sollten die deutschen nicht kommen.
Der Bruder des Weißenburg gefallenen Abel Douay der General Felix Douay hatte von Mac Mahon den Befehl erhalten die 1. Division des 7. franz Armeekorps unter Gen. Conseil-Dumesnil von Colmar her zum 1. Korps zu führen. Sie sollte über Hagenau nach Wörth marschieren und die Artillerie nachziehen, da Mac Mahon bereits in bester Stellung in Wörth Reichshoffen stand. Ebenso hatte Napoleon III mitteilen lassen, daß er Mac Mahon das 5. Korps zukommen lassen würde, welches bei Bitsch stand. Weiterhin fanden sich am 5. August 1870 die Reste der Division Abel Douay (Jetzt unter Leitung Gen. Pellé - die zwar geschlagen, aber noch kampfesbereit war) und die Avantgarde der 1. Division des 7. franz Armeekorps unter Gen. Conseil-Dumesnil ein. Mac Mahon hatte nun 45.000 Mann ohne das 5. Korps gerechnet unter sich.
Mit dieser Anzahl von Offizieren und Soldaten, sowie den dazugehörigen Mitrailleusen, Geschützen und Kavallerie konnte man in der hervorragenden Lage westlich des Sauerbaches einiges anfangen.
Allerdings standen Mac Mahon schon bald ca. 160.000 Truppen unter dem Kronprinz gegenüber.

Bedauerlich ist allerdings nur, daß der Kronprinz seinen Plan die französischen Stellungen am 07.08.1870 anzugreifen aufgab und die Schlacht bereits am 06.08.1870 geführt wurde und die Zuführung des 5. franz. Korps noch nicht erfolgt war.

 

LINKS
K.B. 5. Infanterie Regiment / "Ernst Ludwig von Hessen" von Rudolf.Winziers



 

 


Blick vom deutschen Weintor nach
Weissenburg. Im Hintergrund der Geisberg.

Jägerstein 1. Schlesisches Jäger Btl.

Gedenkstein General
Abel Douay

Gedenkstein Königsgrenadiere
Westprußische Nr. 7

3. Posische I.R. Nr. 56

"Das erste Preußengrab
für Deutschlands
Einheit"
Weitere Informationen auf den Seiten von Marc Falinski

Das Denkmal der 3. Armee

Deutsch/Französisches Massengrab

Das französische Ehrenmal auf dem 
Geisberg
Erinnerung an die Schlacht von von Weißenburg 2008

Verlesung der Geschichte der Schlacht

Erinnerung an die Schlacht von von Weißenburg 2008

Entzündung der Flamme vor dem französischen Monument

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