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Militärgeschichtliche Einfügung:
Weißenburger Linien, ehemals eine Kette zusammenhängender
Verschanzungen im Kreis Weißenburg des Bezirks Unterelsaß, 1706 von
dem Marschall Villars angelegt, um Elsaß gegen die Streifereien der
damals kaiserlichen Besatzung von Landau zu decken. Sie zogen sich längs
der Lauter hin und bestanden aus einer Reihe einander bestreichender,
teils geschlossener, teils offener Schanzen. Nach der Einnahme von Mainz
durch die Preußen und Sachsen eroberte der österreichische General
Wurmser in der Nacht des 13. Okt. 1793 die Linien. Am 16. Dez. schlug
Pichegru die Österreicher und Preußen bei Weißenburg, eroberte die
Linien wieder und nötigte dadurch die Verbündeten zum Rückzug über
den Rhein.
(Quelle: http://www.retrobibliothek.de/retrobib/seite.html?id=116623)
1870
Nachdem die oben genannten Befestigungen nicht mehr existent waren,
blieben nur noch die beiden Stadttore (Hagenauer- und Landauer Tor) und
die Stadtmauer, die heute noch zum Teil zu sehen ist.
Da der französische General Douay ziemlich isoliert stand wurde von
deutscher Seite beschossen die III. Armee auf Weißenburg zu entsenden
und die gesamte Division gefangen zu nehmen, dann weiter auf die Truppen
Mac Mahons zu treffen und diese ebenso einzuschließen.
Mac Mahons
Truppen:
1) Brigade Pelletier de Montmarie (50. + 74. Infanterie Regiment,
16. Jägerbattaillon)
2) Brigade Pelle (78. Infanterie Regiment, 1. Regiment Turcos)
3) 3 Batterien Geschütze
4) 1 Batterie Mitrailleusen
5) Während der Schlacht folgten noch aus
Soulz: 3. Husaren- und 11. Chasseur Regiment
Die
III. Armee - Kronprinz Friedrich Wilhelm
Stand in
der Nacht vom 3. auf den 4. August 1870 noch in der Linie
Germersheim-Landau
Als Avantgarde dienste die bayerische Division Bothmer bei Bad
Bergzabern.
Der Vormarsch sollte am 4. August auf 4 Straßen bis an die Lauter
angetreten werden und der "Feind" bei Auftreffen
zurückgeworfen werden.
4. August 1870 - 04:00/06:00
- Die 4. b. Division Bothmer hatte Weißenburg zu nehmen. Seine
rechte Flanke sollte ein Detachement über Böllenborn und
Bobenthal sichern.
- Der Rest des II. bayerischen Korps, die Division Walther hatte
bereits um 04:00 die Biwaks verlassen und sollt unter
Umgehung Landaus über Impflingen, BadBergzabern und
Ober-Otterbach marschieren.
- Die Kavallerie Division erhielt Befehl um 06:00 südlich
Mörlheim zu sammeln und über Insheim, Rohrbach, Biligheim,
Barbelroth und Kapellen bis Otterbach, westl. Ober-Otterbach zu
marschieren.
- Das 5. Korps unter General von Kirchbach begann ab 04:00 aus
dem Biwak bei Billigheim über Barbelroth,
Nieder-Otterbach, Groß-Steinfeld auf Kapsweyer zu marschieren.
Es sollte bei St. Remigius die Lauter überschreiten.
Gen. v. Kirchbach
- Das 11. Korps unter General von Bose brach um 04:00 bei
Rohrbach auf und ging über Steinweiler, Winden, Schaidt, durch den Bienwald über die Bienwaldhütte vor. Eine Avantgarde
hatte die Lauter zu überqueren und die Höhen zu sichern.
Gen. v. Bose
- Das 6. Korps Werder hatte die Aufgabe auf der großen Straße
gegen Lauterburg vorzugehen und den Ort zu besetzen.
- Das Korps von der Tann hatte um 04:00 die Biwaks zu verlassen
und über Rülzheim nach Langenkandel zu marschieren
um westlich ein neues Biwak zu beziehen.
- Das Hauptquartier sollte nach Nieder Otterbach ziehen.
08:00 10. Jägerbataillon (Spitze
der Division) erreicht das Dorf Schweigen.
Ca. 08:20 Der Kronprinz + Stab treffen auf den Höhen südlich von
Schweigen ein und betrachten das französische Feldlager
auf dem gegenüberliegenden Geisberg
Das bayerische 2. Korps übernahm die
Westseite von Weissenburg, während die Preußen mit dem 5. Korps die
Ostseite übernahmen.
In der Nacht hatte es stark geregnet,
so daß der durch Weissenburg führende Bach (Lauter) stark angeschwollen war und
sich die angreifenden Truppen äußerst schlechten Bedingungen gegenübersahen.
Die 4. Bayerische Division unter Graf
Bothmer stieß zuerst gegen 08:00 auf französische Truppen (2/74)
nachdem die Stadt bereits von Geschützen (Avantgarde-Batterien), die auf den Schweigener Höhen
standen unter Feuer genommen war und einige Häuser brannten.
Der Bahnhof lag und liegt als
Kopfbahnhof etwas südlich der alten Stadtbefestigung.
Südlich des Bahnhofes liegt der Geißberg
etwa 70 Meter höher als die Stadt.
Auf diesem befand sich ein Schloß, welches die ganze Gegend überschaute.
Zur damaligen Zeit wurde auch Hopfen angebaut, was der französischen 1.
Division (I. Korps mit ca. 6.500 Mann und 18 Geschützen) weitere
vortreffliche Verteidigungsstellungen bot. Die Stadt wurde von einem Bataillon
und sog. Turkos (Algerische Soldaten - Regiment de Tirailleurs Algeriens
unter Colonel de Morandry) in der Gegend des Bahnhofes aufgestellt
verteidigt. Detachements waren bis Altenstadt verteilt.
Die französischen Truppen um Weißenburg standen unter dem Befehl des
Generals Abel Douay. Sie waren teil der „Elsassarmee“, die den rechten Flügel der franz. Armee
darstellte und reichte zu diesem Zeitpunkt von Bitsch bis Hagenau (5.Corps
von Failly, Teile des 1.Corps von Mac Mahon) bis Straßbourg (heute
Strasbourg - Div. Lartique 1.Corps). Das 7.Corps des General Felix Douay lagerte in zweiter
Reihe bei Belfort.
Carl Abel Douays Abteilungen, des 1. Corps war mit den Brigaden
von Pelletier de Montmarie und der Brigade Pellé bei Weißenburg / Soultz-sous-Foret positioniert.
General Abel Douay hatte bereits in Algier, der Krim und in Italien sein
Handwerk erlernt. Er unterstand seit dem 05. August dem Befehl von
Marschall Mac Mahon, der damals 62 Jahre alt war und zu den
bedeutendsten Generälen Frankreichs zählte.
Mac Mahon verfügte über das I. Korps, eine Division des VII. Korps,
zwei Divisionen des V. Korps unter Failly westlich Bitsch.
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Kaiser Wilhelm I
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Allen Büchern ist zu
entnehmen, daß die Franzosen völlig von der Ankunft der deutschen Truppen
überrascht waren.
In manchen ist sogar zu lesen, daß die Franzosen beim Morgenkaffe
gefangen genommen wurden.
Ein Bataillon der 74.R.I. und 1. Regiment Algerische Tirailleure (Turcos)
hasten nach Weißenburg und Altenstadt, um ihre Stellungen einzunehmen.
Der Truppenkörper blieb auf dem Geißberg und formierte sich in und um das Schloss und dem nahe gelegenen Gehöft
Schafbusch (Heute Baumschule/Gärtnerei)
An der Stadtmauer
versuchte ein Zug der 4. Kompanie der 10. Jäger das
Bitscher Tor einzunehmen, wurde allerdings zurückgeschlagen.
Als gegen 11:00 Uhr in der östlichen
Flanke das 5. und 11. Armeekorps eintrafen wurde der Angriff auf die
Stadt wieder energisch aufgenommen und das Landauer Tor konnte genommen
werden. Zwei preußische Geschütze zerschießen die Ketten an den Torpfeilerern und 2 bayerische Geschütze beschießen die nächste Umgebung des Tores.
Donnernd fällt die Zugbrücke herunter und Entschlossene Jäger des 10. Jägerbatl. und Infanteristen der 11. Komp./ 5. IR
sowie Abteilungen des 11. Regiments besetzen den Wall beiderseits des
Tores.
Die verbliebenen Reste der französischen Besatzung versucht durch das
Bitscher Tor zu entkommen wird allerdings durch eine Kompanie des 11.
Jägerbataillons unter Feuer genommen und streckt die Waffen.
Gegen 13:30 ergab sich die tapfere französische Garnison und 18
Offiziere sowie 340 Überlebende gingen in Gefangenschaft.
Die Görlitzer 5. Jägerbataillon unter Major Graf Waldersee nahmen Altenstadt.
Als diese dann gegen Weißenburg eindrehten wurden sie am Stadtrand von Altenstadt
durch einen Feuerüberfall der Afrikaner empfangen. Das Artilleriefeuer vom
Geisberg machte ein Vorwärtskommen ebenfalls schwer. Es gab Verluste auf beiden Seiten,
dabei auch Major Graf Waldersee.
Das 5. Jäger Btl. bekam jetzt Unterstützung von den 58ern
Nach Weißenburg gingen dann die 58er in der Mitte und wurden vom 5. Jäger
Btl. flankiert.
Im Schwunge des Angriffes wurde dann
um die Gegend des Bahnhofes stark gekämpft. Die angreifenden 58er, die
durch die 5. Jäger und die 47er unterstützt wurden, konnten diesen Teil
der Stadt dann auch gegen 11:00 Uhr einnehmen. Die Turkos wurden hier
von Einheiten des 74 R.I. unterstützt. Die Kämpfe setzten sich bis in
die Keller der Häuser der Vorstadt fort. Die erste Kanone, die in diesem Kampf
erobert wurde von der 1. Kompanie der 5. Jäger, südwestlich auf den Höhen
vom Bahnhof eingenommen.
Die 58er Füsiliere (Leichte Fußsoldaten), unterstützt von der rechten
Flanke der bayerischen Division Bothmer nahm das das Hagenauer Tor ein.
Da die Division Douay als besonders mutige Division bekannt war mußten
viele Häuser in zähem Ringen genommen werden.
Die schwerste Aufgabe, die Einnahme
des Geißberges stand nun vor den Preußisch-Bayerischen Truppen. Der
Geißberg wurde von dem 50. franz. Infanterie Regiment besetzt und war
nicht nur durch seine dominierende Stellung gefährlich, vielmehr
standen neben Geschützen auch Mitrailleusen (Weiterentwicklung des Gatling Gewehres – Vorläufer der heutigen MG zur Verfügung).
Allerdings war General Douay schon am Vormittag gefallen.
Den wackeren französischen
Verteidigern diente das Schlösschen als gute Verteidigungsstellung, von
wo aus sie die Abhänge des Hügels vortrefflich bestreichen konnten.
Den
Angriff sollte in der Mitte das Königs-Grenadier-Regiment mit seinem 1.
und 2.- und in der Mitte dem Füsilierbataillon unter Major von
Kaisenberg führen.
Von jedem Bataillon wurden 2 Kompanien als Plänklerkette vorgezogen und
die beiden anderen Kompanien folgten als Halbbataillon.
Den
vordringenden Deutschen wand sich als erstes ein Bajonettangriff der 74.
franz. Linien Regiments vergebens entgegen. Das Königs Grenadier
Regiment stoppte erst auf halber Höhe des Hügels, als starkes
Abwehrfeuer aus dem Schlösschen das Weiterkommen unmöglich machte.
Der Major v. Kaisenberg führte die 9. und
12 Kompanie einen Hohlweg hinauf und fällt mit seinem Leutnant Siemon
von Kugeln getroffen. Fast alle Offiziere erleiden dieses Schicksal.
Rechts neben dem Königs Grenadier Regiment erstiegen die 5. Jäger
links die zwei Bataillone
vom 58. und 47. Regiment die Höhe. Die 41. Brigade befindet sich
bereits im Rücken der französischen Stellung und nehmen nach kurzem,
aber heftigen Kampf das Gehöft Schafbusch. Hierbei feuert die 1.
Kompanie der 5. Jäger so wirksam auf die auf eine französische
Batterie, daß diese sich unter Verlust eines Geschützes sich
zurückzieht. Die wiederholten Versuchn das Geschütz zurückzuerobern
werden erfolgreich zurückgeschlagen.
Grenadiere der 7er und 87er gelangen
als Erste in den Schlosshof müssen sich aber schnell wieder zurückziehen.
Erst als die Artillerie auf der Höhe mit den 3 Pappeln das Feuer auf
das Schlösschen eröffnet wird eine weiße Fahne um ca. 13:15 aus dem Anwesen
gestreckt.
Die 300 Mann starke Besatzung hatte 74 Tote und Verwundete zu
beklagen.
Nachdem der letzte französische Vorstoß um 13:30 zurückgewiesen wurde
verfolgen die Kavallerie Regimenter der 9. und 10. Division die
fliehenden franz. Truppen in Richtung Soultz.
Verluste auf deutscher
Seite:
Offiziere: 91
davon 35 tot.
Mannschaften: 1460 Mann (tot
ca. 700 Rest verwundet)
Davon allein:
7. Regiment 23 Offiziere, 329 Mann
Das 5.Korps hatte allein 8 Majore
verloren. General Kirchbach erhielt einen Streifschuss, da er sich in
den vordersten Linien aufgehalten hatte – was für die damalige Zeit
eher ungewöhnlich war.
Verluste auf französischer
Seite:
General Douay wurde ehrenvoll
bestattet.
Frankreich hatte insgesamt 1000
Mann verloren (Tot, Verletzt, Gefangen)
Der Rest der Division Douay zog sich
auf Wörth zurück und wurde am Folgetag aufgespürt.
Der Generalstabsoffizier Gen. Douays und Oberst des 50 franz.
Linienregiments gerät in Gefangenschaft.
Einheiten Übersicht
Franzosen
Deutsche
1 Division
V. Korps
84 Kanonen
11 Btl.
22 Btl.
12 Kanonen
II. Bayerisches Korps 24 Kanonen
6 Mitrailleusen XI. Korps 36 Kanonen

Auswirkungen:
Im französischen Hauptquartier verkannte man die Lage, die durch
den Verlust der Schlacht bei Weißenburg entstanden war nicht. Der
rechte französische Flügel war eingedrückt und es mußte eine weitere
Zurückdrängung vermieden werden.
Napoleon war vor die Frage gestellt den rechten Flügel aufzugeben und
die Einheiten auf Metz zurückzuziehen oder die Front im Elsass zu
halten.
Mac Mahon erkannte die Notwendigkeit den deutschen Vormarsch
aufzuhalten. An der Sauer wollte er den deutschen Vormarsch aufhalten,
über die Vogesen sollten die deutschen nicht kommen.
Der Bruder des Weißenburg gefallenen Abel Douay der General Felix Douay
hatte von Mac Mahon den Befehl erhalten die 1. Division des 7. franz
Armeekorps unter Gen. Conseil-Dumesnil von Colmar her zum 1. Korps zu
führen. Sie sollte über Hagenau nach Wörth marschieren und die
Artillerie nachziehen, da Mac Mahon bereits in bester Stellung in Wörth
Reichshoffen stand. Ebenso hatte Napoleon III mitteilen lassen, daß er
Mac Mahon das 5. Korps zukommen lassen würde, welches bei Bitsch stand.
Weiterhin fanden sich am 5. August 1870 die Reste der Division Abel
Douay (Jetzt unter Leitung Gen. Pellé - die zwar geschlagen, aber noch
kampfesbereit war) und die Avantgarde der 1. Division des 7. franz
Armeekorps unter Gen. Conseil-Dumesnil ein. Mac Mahon hatte nun 45.000
Mann ohne das 5. Korps gerechnet unter sich.
Mit dieser Anzahl von Offizieren und Soldaten, sowie den dazugehörigen
Mitrailleusen, Geschützen und Kavallerie konnte man in der
hervorragenden Lage westlich des Sauerbaches einiges anfangen.
Allerdings standen Mac Mahon schon bald ca. 160.000 Truppen unter dem
Kronprinz gegenüber.
Bedauerlich ist allerdings nur, daß
der Kronprinz seinen Plan die französischen Stellungen am 07.08.1870
anzugreifen aufgab und die Schlacht bereits am 06.08.1870 geführt wurde
und die Zuführung des 5. franz. Korps noch nicht erfolgt war.
LINKS
K.B. 5. Infanterie Regiment / "Ernst Ludwig von Hessen" von Rudolf.Winziers
Die Bildergalerie des Kampffeldes und der Monumente kommt bald.
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